COMponisten Portrait: Lukas Haselböck und Akos Banlaky

Die Company of Music widmet sich nicht nur leidenschaftlich zeitgenössischer Musik, sie schätzt sich auch glücklich, Komponist:innen in den eigenen Reihen zu haben!

Anfang Juli werden wir zwei neue Zyklen von Lukas Haselböck und Akos Banlaky aufnehmen, die beide sonst für uns als tiefe Bässe das Fundament des Company of music Sounds bilden.

 

Aber wer könnte besser über das eigene Schaffen berichten, als die Komponisten selbst? Wir übergeben das Scheinwerferlicht und sind gespannt auf den Juli!

 

Akos Banlaky:

Kann es noch sein: neue Lieder?

 

In der U-Kultur lebt die Symbiose von Text und Musik ganz natürlich weiter: es gibt ja kaum „Hits“, die nicht vokalen Ursprungs, nicht gesungen wären; aber in der individuellen, sogenannten „ernsten“ Kunst, die sich rühmt, Erbe jahrhundertealter Literatur und Musik zu sein: sind da noch die Überempfindlichkeiten, sprachliche Sonderbarkeiten, das Zerfallen der Welt beklagende und dieses widerspiegelnde, gebrochene Formen zeitgenössischen Dichtens noch vertonbar, eignen sie sich, inspirieren sie noch zum Singen, zur Hervorbringung singender und singbarer Melodien? Ist die uralte, universelle Hierarchie von Begleitung und Melodie, von accompagnierendem Instrument und führender Singstimme noch haltbar, ist sie noch mit neuen Inhalten auszufüllen? Ist gar dieses Singen, rein gesangtechnisch, noch jenes, mit dem man Schubert und Strauss vorträgt?

 

Kann es noch sein: neue Lieder?

 

 

Lukas Haselböck:

Als Komponist beschäftige ich mich viel mit der Stimme, ich habe sowohl Lieder als auch Vokalkammermusik und Opern geschrieben. Dabei findet sich höchst Unterschiedliches: schwarze, wienerische Abgründe, Virtuosität und experimentelle Vokaltechniken sowie zuweilen auch schauspielerische Elemente. Mein neuestes Vokalstück „Geschirmt sind die

Liebenden“ ist in mancher Hinsicht etwas konventioneller: Es besteht aus vier Sätzen, die aber nicht liturgisch gebunden sind und auch im konzertanten Rahmen aufgeführt werden können. Als Textgrundlage dienten Gedichte von Nelly Sachs (sie erhielt 1966 den Nobelpreis für Literatur) und ein Moderner Psalm von Arnold Schönberg. Im Grunde sind es nicht konfessionelle, sondern allgemein menschliche Fragestellungen, die bei Sachs und Schönberg angesprochen werden: Vor allem geht es um Seelenfreundschaft und Liebe. Zu den Gedichten: Nelly Sachs wurde 1891 in Berlin geboren und starb 1970 im schwedischen Exil. In ihrem Gedichtzyklus Sternverdunkelung (1949) werden auf ergreifende und beeindruckende Weise das Schicksal des jüdischen Volkes und die Shoa thematisiert. Hier stellt sie die Frage, wie in den dunkelsten Momenten der Menschheit die Verbindung und Liebe zwischen den Menschen aufrechterhalten bzw. wiederhergestellt werden kann. Vor diesem Hintergrund erhalten Gedichte wie „Geschirmt sind die Liebenden“, „Wenn die Propheten einbrächen“ und „O du weinendes Herz“ eine unerhörte Intensität und Sprachgewalt. Arnold Schönberg (1874–1951) musste 1933 Deutschland verlassen. Im Exil in den USA rekonvertierte er zum Judentum. Kurz vor seinem Tod arbeitete er an einem Psalm für Sprecher, Chor und Orchester op. 50C, der jedoch unvollendet blieb. Als Textgrundlage diente einer von insgesamt 18 selbst verfassten Psalmen. Es handelt sich um intensive Texte, die sich zwischen Verbitterung und Anklage der (materialistischen) Welt einerseits und tiefem Glauben und Gottvertrauen andererseits bewegen. Für das neue Vokalstück wurde der 10. Psalm ausgewählt, in dem es um die „Seelenfreundschaft“ geht, die – so Schönberg – unzerstörbar ist.

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