Light Works

Owls & Company of Music, 2025

Spitzbogenfenster im Jazzclub

von Albert Hosp

Ich bin nicht der First Listener. Das ist Johannes Hiemetsberger. Als Dirigent der Company ist er der erste Zuhörer. Er lässt musizieren. Und das charakterisiert ihn eigentlich. Nicht. Johannes hat zu- nächst einmal eine genaue Vorstellung, wie das jeweilige Stück klingen soll. Und wird. Aber doch, dann, wenn die Probenarbeit getan ist, dann wird die Company zur Company, nämlich einer Firma, deren Aufsichtsrat gleichzeitig die Belegschaft ist. Zu gleichen Teilen. Mit gleichen Rechten. Jede und jeder ist verantwortlich. Das ist der Sinn des Musizierens. Einbringen und einfügen. Mehr als die Summe der Teile erzeugen. Also gut. Trotzdem: first listening.

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Erst. Einmal. Hineinhören. Schnurgerade Stimmen, Lichtstrahlen in einer gotischen Kathedrale.
Da plötzlich: Ha! Klavier-Bass-Schlagzeug. Die Dreifaltigkeit des Jazz. Eigenartig. Diese Musik wirkt sanfter als die davor gesungene. Ein Jazzclub in der Kathedrale.Der Kontrabass sinniert, nachdenklich kommentiert das Klavier. Ziemlich lange spielen die. Ich dachte, das ist eine Chor-CD!? Ah, da sind sie wieder, die Lichtstrahlen, umwunden von Klaviergirlanden. Eine schlichte Schlusskadenz vom Trio, und aus. 8 Minuten vorbeigeflogen. Und wieder die Lichtstrahlen. Alte Musik – und wir sprechen hier wirklich von sehr alter Musik, mehr ein halbes Jahrtausend alt – hat einen eigenen, herben Reiz. Sie klingt aus einer Zeit zu uns, in der eine Terz noch wie eine Dissonanz war. Behutsam daher die Akkordsprache von Simon Oberleitner. Jazz auf Zehenspitzen. Irgendwann – ich sehe nicht auf die Uhr – erklingt ein Lied für Stimme und Kla- vier. Das ganze Programm in der Nussschale. Konzentriert. Aber weich. Ein Hauch von Brother Sun, Sister Moon. Das ist zweifellos eine gewagte Assoziation. Aber jede Assoziation ist immer wagemutig, ist das Gegenteil vom willentlichen Brü- ckenschlagen von einem Gedanken zum nächsten. Natürlich taucht noch viel mehr auf: Eine Erinnerung an das Hilliard-Ensemble, aber auch an eine andere hin- reißende Vokalband, Les Double Six de Paris. Esbjörn Svensson, Keith Jarrett, Thelonious Monk, Carla Bley. Es braucht Mut, heutzutage Jazz zu machen. Oder Musik überhaupt. Oho! Es wird wild, derb. Natürlich, das gab’s damals auch, außerhalb der ernsten Spitzbogigkeit. Und auch dazu hat das Klaviertrio seinen Kommentar abzugeben, wild dreinfahrend, irgendwie archaisch. Richtig rockig. Wenn auch nur kurz. Seit dem Anfang hat sich die Art des Austausches tiefgreifend verändert. Vokal- ensemble und Jazztrio, anfangs zwei klar getrennte Farb-Schienen, fließen inei- nander. Das Geschehen zerrinnt beinahe, um sich freilich gegen Ende zu einer Prozession zu formieren. Gutes timing! Da! Eine Blue Note im Sopran, und noch eine. Und auch im letzten Akkord: erhöhte Quart; oder verminderte Quint. Ansichts- sache. Die Blue Note schlechthin. Blues ist die Quintessenz. Blues ist kein Stil. Sondern ein Zustand der Seele. Machaut, Ockeghem, Josquin – they all had the blues. Sometimes. 75 Minuten und 18 Sekunden vorbeigeflogen.

gefördert von SKE

Again and Again

mit Maria Happel, 2018

Hans Christian Andersens Kunstmärchen „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“ inspirierte zahlreiche Künstler, darunter den US-amerikanischen Komponisten David Lang. In seinem Werk The Little Match Girl Passion stellt er die Leiden des Mädchens den Passionen Jesu nach dem Vorbild von Bachs Matthäus-Passion gegenüber. Der A-cappella-Chor wird dabei durch von den Sänger:innen gespielte Perkussion bereichert. Zuvor liest Burgschauspielerin Maria Happel das Märchen. Ergänzend singt die Company of Music unter Johannes Hiemetsberger weitere weihnachtliche Chorlieder, darunter Werke von Bo Holten, John Tavener, David Lang und Gustav Holst.

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Leonhard Bernstein: MASS

Vojtech Dyk, Wiener Singakademie, Company of Music, ORF Vienna Radio Symphony Orchestra & Dennis Russel Davies, 2018

Nur wenige besaßen eine ähnliche Ausstrahlung wie Leonard Bernstein. Er überwand die Grenzen zwischen klassischer und populärer Musik und erreichte Generationen unterschiedlichsten Alters. Sein Plädoyer für Miteinander und Liebe durchzieht auch MASS, 1971 uraufgeführt. Bernstein verstand das Werk nicht als Messkomposition, sondern als „theatrical piece“. Es gilt als kühnste Deutung liturgischer Inhalte, deren Botschaft des Friedens deutlich vernehmbar war. Die Reaktionen schwankten zwischen Begeisterung und scharfer Ablehnung – nicht zuletzt wegen der Kritik am Vietnamkrieg.

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music for a while

2009

 

{ Music for a while ist käuflich erhältlich bei unseren Konzerten }

Bernstein: MASS

Randall Scarlata, Tölzer Knabenchor, Chorus sine nomine, Tonkünstler-Orchester, Absolute Ensemble & Company of Music, 2009

Ein Theaterstück für Sänger:innen, Schauspieler:innen und Tänzer:innen. Der Text entstammt der Liturgie der römischen Messe, weitere Texte sind von Stephen Schwartz und Leonard Bernstein. 

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